Brandenburg.NABU.de Artenschutz Vogelschutz Wissen Vogelarten Kormoran

NABU gewinnt Kormoranklage

NABU gewinnt Kormoranklage

Gericht entscheidet: Keine Vergrämung in Schutzgebieten!

Kormoran im Winter, Ostseeküste Fehmarn

Das Kormoran-Urteil könnte als Beispiel für weitere Auseinandersetzungen mit „Problemarten“ dienen.


Der NABU Brandenburg hat mit dem Urteil des Verwaltungsgerichtes Potsdam (5 K 1522/08) vom 25. August 2011 den Streit um Kormoranvergrämungsmaßnahmen nun endgültig gewonnen. Das schriftliche Urteil ist dem Naturschutzverband erst am 17. Januar 2012 zugegangen. Inzwischen ist auch die Berufungsfrist verstrichen und somit das Urteil nicht mehr anfechtbar.

Katharina Weinberg, Geschäftsführerin des NABU Brandenburg freut sich: „Jetzt haben wir es schwarz auf weiß, der Bescheid des Landesumweltamtes, der Kormoranvergrämungsmaßnahmen inmitten von Schutzgebieten zuließ, ist rechtswidrig. Das ist ein großer Erfolg für den Naturschutz. Denn Störaktionen an natürlichen Gewässern beunruhigen nicht nur den nach Bundesnaturschutzgesetz geschützten Kormoran, sondern auch viele andere Tierarten.“ „Dieses Urteil“, so Weinberg „könnte als Beispiel für weitere Auseinandersetzungen um sogenannte Problemarten dienen.“

Kormorannest mit Eiern

Mit gezielten nächtlichen Störaktionen sollten die Kormoraneier ausgekühlt und die Embryonen so abgetötet werden.

Zum Inhalt des Verfahrens: Das Landesumweltamt (heute: Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz) erließ am 20. März 2008 einen Bescheid zugunsten des Landesfischereiverbandes zur Reduzierung des Bruterfolges in Kormorankolonien am Alten Wochowsee (LK Oder-Spree), Am Waldsee (LK Oberspreewald-Lausitz) und an den Paretzer Tonstichen (LK Havelland) genehmigte. Dabei handelte es sich um gezielte nächtliche Störmaßnahmen, um die Eier der Kormorane auszukühlen, die Embryonen abzutöten und so den Bruterfolg zu vermindern. Und das in Europäischen Vogelschutzgebieten!

Der NABU Brandenburg klagte gegen diesen Bescheid. Die Naturschützer argumentierten, dass weder die Voraussetzungen für eine Ausnahmegenehmigung noch für eine Befreiung von der Schutzgebietsverordnung vorlägen. So konnten durch den Kormoran verursachte fischereiwirtschaftliche Schäden nicht nachgewiesen werden. Auch habe keine ausreichende Prüfung von Alternativen stattgefunden. Hinzu kommt, dass auch die notwendige Verträglichkeitsprüfung in einem europäischen Vogelschutzgebiet nicht durchgeführt worden ist.

Kormoran mit Fisch

Fischereiwirtschaftliche Schäden hätten nachgewiesen werden müssen.

Das Gericht stellte die Rechtswidrigkeit des Bescheides fest und gab dem NABU in allen Punkten umfänglich Recht! So habe das Landesumweltamt in rechtlich unzulässiger Weise an den Landesfischereiverband eine pauschale Ausnahmegenehmigung erteilt. Auch sei eine pausschale Aussage, es gäbe keine Alternativen, nicht ausreichend. Es hätte eine entsprechende Untersuchung erfolgen müssen, dies ist jedoch gänzlich unterblieben, obwohl, so das Gericht, sich eine solche Prüfung hätte aufdrängen müssen.

Selbst einem Verwaltungsrichter erschien es unwahrscheinlich, dass eine Störungsaktion in einer Brutkolonie 60 km südwestlich Berlins irgendeine Auswirkung auf die fischereiliche Ertragssituation eines uckermärkischen Fischereibetriebes (150 km Luftlinie entfernt) haben soll. Damit hat das Gericht auch die Antragsbefugnis des Landesfischereiverbands in Zweifel gezogen, da wirtschaftliche Schäden nur von Fischereibetrieben selbst geltend gemacht werden können.

Das Gericht stellt auch unmissverständlich fest, dass auch die Voraussetzungen für eine Schutzgebiets-Befreiung nicht vorgelegen haben. Dafür hätte die Existenzbedrohung der Fischereibetriebe geprüft werden müssen, dies ist gänzlich unterblieben. Außerdem ist dem Bescheid nicht zu entnehmen gewesen, dass eine Verträglichkeitsprüfung durchgeführt worden sei, aber eine solche hätte zwingend erfolgen müssen.

Kormoran hoch2

Das Gericht wurde deutlich: Der Bescheid läuft dem Schutzzweck des Gebietes zuwider.

Besonders deutlich wird die Haltung des Gerichts im letzten Absatz: „Das Gericht erlaubt sich den Hinweis, dass die Erteilung von Befreiungen zur Reduzierung des Bruterfolges in Kormorankolonien in Naturschutzgebieten, deren Schutzzweck gerade die Erhaltung des Gebietes als Brut- bzw. Vermehrungsraum für Wasser- bzw. Zugvogelarten ist, einen besonderen, im vorliegenden Fall nicht ansatzweise erreichten Begründungsaufwand erfordert, weil die Vergrämungsmaßnahmen dem in den Verordnungen explizit festgelegten Schutzzweck widersprechen.“

„Unabhängig von Störaktionen hat sich in den letzten Jahren der Kormoranbestand in Brandenburg auf rund 1.800 Brutpaare (davon allein 1.200 Brutpaare im Nationalpark Unteres Odertal) reduziert. Ausfälle sind im Wesentlichen auf Nestabstürze sowie Waschbären und Seeadler zurückzuführen.“, so die NABU-Geschäftsführerin. Und selbst das Landesumweltamt schätzt ein, dass für einen „günstigen Erhaltungszustand“ eine Population von 2.000 Brutpaaren aufrecht erhalten werden muss.

Mehr zum Thema

Videobeweis: Andy Kleinschmidt filmte an den Paretzer TonstichenWaschbär dezimiert Kormorangelege

Schon mehrfach wurde beobachtet, dass Waschbären in Kormorankolonien eindringen, um sich an Eiern oder Jungvögeln gütlich zu tun. Vermutlich erstmalig wurde jetzt im Film festgehalten, wie ein Waschbär an den Paretzer Tonstichen (Brandenburg) Kormorannester ausraubt. mehr Mehr

Der Kormoran im SteckbriefGroßer Meer-Rabe

Der Name „Kormoran“ entstammt einem Kunstwort, dem die lateinische Bezeichnung „Corvus marinus“ zugrunde liegt – zu Deutsch der „Meerrabe“. Er hat Eingang in fast alle Sprachen gefunden, zum Teil mit dem Adjektiv „Großer“, um ihn von der kleineren Krähenscharbe zu unterscheiden. mehr Mehr

Online spenden

 

NABU Regional

NABU Brandenburg NABU.de

Zentren
Schutzgebiete
Gruppen

 

Service

E-Cards

Versenden Sie ganz persönliche Naturgrüße an Freunde und Bekannte

NABU E-Cards

Podcasts

Ab sofort gibt es den NABU zum Hören. Vogelstimmen, Musik und Interviews machen den Podcast zu einem wahren Vergnügen fürs Ohr.

NABU Podcast zum Hören

Desktopmotive

Damit Sie die Natur auch bei der Arbeit immer im Blick haben - die NABU-Desktopvorlagen.

NABU-Desktopvorlagen

NABU-Netz

Das gemeinsame Netzwerk für alle Aktiven in NABU, NAJU und LBV

NABU-Verbandsnetz

 

Fan werden

Facebook Vogelfreunde

„Vogelfreunde“ bei Facebook: Für alles, was Federn hat Mehr

 

Storchenzentren laden ein

Horst Rathsdorf

Besuchen Sie die Info-Zentren in den schönsten Storchengebieten Brandenburgs Mehr